Schlafstörungen bei Babys, Kindern und Jugendlichen
"Mein Kind schläft nicht!" – dieser Satz vereint verzweifelte Eltern weltweit. Schlaf ist ein Reifeprozess, der Zeit braucht und oft von Rückschritten geprägt ist. Ob es die berüchtigte Regression mit 11 Monaten, Monster unter dem Bett im Kleinkindalter oder der verschobene Rhythmus in der Pubertät ist: Als Kinderpsychologe möchte ich Sie beruhigen und Ihnen Wege aus der Erschöpfung zeigen.
Schlafprobleme bei Babys (inkl. 11–13 Monate)
Der Schlaf von Babys unterscheidet sich grundlegend von dem der Erwachsenen. Die Schlafzyklen sind kürzer, die Tiefschlafphasen anders verteilt. Häufiges Aufwachen ist evolutionär sinnvoll und schützt vor dem plötzlichen Kindstod.
Die 11-13 Monate Regression: Viele Eltern erleben um den ersten Geburtstag herum einen massiven Einbruch. Das Kind, das vielleicht schon durchschlief, wacht plötzlich stündlich auf. Ursache sind enorme Entwicklungsschritte: Laufen lernen, die ersten Worte und ein wachsendes Verständnis für Trennung. Das Gehirn arbeitet nachts auf Hochtouren.
- Tipp: Üben Sie tagsüber kurze Trennungen (Kuckuck-Spiele).
- Tipp: Bleiben Sie nachts ruhig und langweilig. Licht und Interaktion auf ein Minimum reduzieren.
Schlafstörungen bei Kleinkindern
Im Alter von 2 bis 5 Jahren blüht die Fantasie – und damit auch die Angst vor Monstern oder Dunkelheit. Zudem entdecken Kinder ihren eigenen Willen (Autonomiephase) und testen Grenzen auch beim Zubettgehen aus.
Der Nachtschreck (Pavor nocturnus)
Anders als beim Albtraum schreckt das Kind im ersten Drittel der Nacht schreiend auf, ist aber nicht ansprechbar und erinnert sich am nächsten Morgen an nichts. Versuchen Sie nicht, das Kind zu wecken! Sorgen Sie nur dafür, dass es sich nicht verletzt.
Schlafprobleme bei Kindern mit ADHS oder Hochsensibilität
Kinder, die Reize intensiver wahrnehmen oder Schwierigkeiten mit der Reizfilterung haben (wie bei ADHS oder Hochsensibilität), finden abends oft schwer zur Ruhe.
Ein "Abschalten" gelingt nicht, das Gehirn läuft weiter. Hier ist eine reizarme Umgebung am Abend essentiell. Vorsicht ist auch bei Medikamenten geboten: Wie in unserem Artikel zu Krankheiten und Medikamenten beschrieben, können ADHS-Medikamente (Stimulanzien) als Nebenwirkung Einschlafstörungen verursachen. Sprechen Sie in diesem Fall unbedingt mit dem behandelnden Arzt über den Einnahmezeitpunkt.
Schlaf in der Pubertät – was ist noch normal?
Jugendliche sind oft "Eulen". Ihr biologischer Rhythmus verschiebt sich hormonell bedingt nach hinten. Sie sind abends fit und kommen morgens nicht aus dem Bett. Das kollidiert massiv mit dem frühen Schulbeginn.
Hinzu kommt der "Social Jetlag": Am Wochenende wird bis mittags geschlafen, was den Rhythmus für die Schulwoche weiter durcheinanderbringt. Auch die psychische Belastung durch Schulstress oder soziale Medien spielt eine große Rolle.
- Tipp für Eltern: Vereinbaren Sie handyfreie Zeiten vor dem Schlafen, aber zeigen Sie Verständnis für den verschobenen Biorhythmus.
Wann sollten Eltern zum Arzt oder in eine Spezialambulanz gehen?
Nicht jede Phase bedarf einer Therapie. Ärztliche Hilfe ist jedoch ratsam, wenn:
- Das Kind laut schnarcht oder Atemaussetzer hat (vergrößerte Polypen/Mandeln).
- Das Kind tagsüber hyperaktiv, aggressiv oder auffällig unkonzentriert ist (Schlafmangel tarnt sich bei Kindern oft als Überaktivität!).
- Ängste so massiv sind, dass sie den Alltag bestimmen.
- Körperliche Ursachen wie Neurodermitis (Juckreiz) den Schlaf stören.
Informieren Sie sich über die allgemeinen Ursachen von Schlafstörungen, um zwischen entwicklungsbedingten Phasen und echten Störungen zu unterscheiden.
Häufige Elternfragen
Was tun bei Schlafstörungen beim Baby mit 11 Monaten?
Dies ist oft eine Entwicklungsregression (Laufen, Sprechen). Bleiben Sie geduldig, halten Sie an Routinen fest und geben Sie Nähe, ohne neue Einschlafgewohnheiten zu etablieren, die Sie später nicht wollen.
Können psychische Erkrankungen bei Kindern Schlafstörungen auslösen?
Ja, Ängste, Depressionen oder ADHS gehen sehr oft mit Schlafproblemen einher. Wenn das Kind über Wochen hinweg leidet oder sich der Charakter verändert, suchen Sie einen Kinderpsychologen auf.
Wie viel Schlaf braucht ein Teenager?
Auch Jugendliche brauchen noch etwa 8 bis 10 Stunden Schlaf. Durch den verschobenen Rhythmus und frühen Schulbeginn leiden viele chronisch unter Schlafmangel.