Krankheiten und Medikamente als Auslöser von Schlafstörungen

Medikamente auf dem Nachttisch

Nicht immer sind Stress oder Sorgen schuld, wenn die Nacht zur Qual wird. Oft liegen organische Ursachen oder Nebenwirkungen von Medikamenten vor. Wer dauerhaft schlecht schläft, sollte nicht nur an den Lebensstil denken, sondern auch körperliche Erkrankungen und die eigene Hausapotheke prüfen. Hier erfahren Sie, welche Zusammenhänge bestehen und was Sie tun können.

Wie Krankheiten den Schlaf beeinflussen

Viele Menschen fragen sich: "Welche Krankheiten können Schlafstörungen verursachen?" Die Antwort ist komplex, da der Körper und der Schlaf-Wach-Rhythmus eng mit Organfunktionen verknüpft sind.

Infografik: Krankheiten und Medikamente als Schlafräuber
Körperliche Beschwerden stören oft direkt die Tiefschlafphasen.

Schmerz-Erkrankungen

Chronische Schmerzen sind einer der größten Feinde des Schlafs. Erkrankungen wie Rheuma, Arthritis oder Fibromyalgie führen dazu, dass Betroffene keine bequeme Liegeposition finden oder durch Schmerzspitzen nachts aufwachen.

Herz- und Lungenerkrankungen

Bei einer Herzschwäche kann es im Liegen zu Atemnot kommen. Auch Asthma und COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) führen oft zu nächtlichem Husten und Atemproblemen, die den Schlaf fragmentieren. Ein bekanntes Phänomen ist zudem die Schlafapnoe, bei der Atemaussetzer den Körper in ständige Alarmbereitschaft versetzen.

Neurologische und hormonelle Erkrankungen

Das Restless-Legs-Syndrom (RLS) zwingt Betroffene zu nächtlicher Bewegung. Auch Parkinson oder Multiple Sklerose gehen häufig mit Insomnie einher. Hormonell ist oft die Schilddrüse der Übeltäter: Eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) beschleunigt den Stoffwechsel und führt zu innerer Unruhe und Herzrasen im Bett.

Psychische Erkrankungen und Schlaf

Körper und Geist sind untrennbar. Mehr zu den Hintergründen finden Sie in unserem Artikel über psychische Ursachen von Schlafstörungen.

Depression

Schlafstörungen sind oft ein Frühwarnzeichen einer Depression. Typisch sind hier weniger die Einschlafprobleme, sondern das sehr frühe Erwachen am Morgen (z.B. um 3 oder 4 Uhr) mit dazugehörigem "Morgentief".

Angststörungen

Bei Angststörungen dominiert das Gedankenkarussell. Die Sorge vor dem Nicht-Schlafen-Können oder allgemeine Ängste verhindern das Entspannen, was meist zu massiven Einschlafstörungen führt.

Medikamente, die Schlafstörungen auslösen können

Viele notwendige Arzneien haben als Nebenwirkung "Insomnie" oder "Nervosität". Wenn Sie fragen: "Welche Medikamente verursachen Schlafstörungen?", sollten Sie Ihren Blick auf folgende Gruppen richten:

Anregende Substanzen

  • Antidepressiva: Einige Wirkstoffe (z.B. SSRI wie Fluoxetin oder SNRI wie Venlafaxin) können antriebssteigernd wirken und den Schlaf stören.
  • Blutdrucksenker: Betablocker senken zwar den Blutdruck, können aber auch die Melatonin-Produktion hemmen.
  • Kortison: Besonders bei Einnahme am Abend führt Kortison oft zu Unruhe und Wachheit.
  • Asthma-Mittel: Theophyllin und einige Beta-Mimetika wirken ähnlich wie Koffein auf das Nervensystem.
  • Schilddrüsenhormone: Eine zu hohe Dosierung von L-Thyroxin imitiert eine Überfunktion.

Wechselwirkungen und Einnahmezeitpunkt

Oft hilft schon eine Anpassung des Einnahmezeitpunkts. Medikamente mit anregender Wirkung sollten, wenn möglich und mit dem Arzt abgesprochen, morgens eingenommen werden.

Besonderheiten bei Kindern

Bei Kindern mit ADHS werden oft Stimulanzien (z.B. Methylphenidat) eingesetzt. Eine häufige Frage ist: "Welche Medikamente bei Schlafstörungen bei Kindern?" Hier ist Vorsicht geboten, da die Behandlung der Grunderkrankung oft erst zu den Schlafproblemen führt. Mehr dazu im Ratgeber Schlafstörungen bei Kindern.

Medikamente gegen Schlafstörungen

Kurzzeitige Schlafmittel – Chancen und Risiken

Klassische Schlafmittel (Benzodiazepine, Z-Substanzen) sind hochwirksam bei Ein- und Durchschlafstörungen, bergen aber ein hohes Abhängigkeitspotenzial. Sie sind nur für kurzfristige Kriseninterventionen geeignet.

Medikamente bei Depression mit Schlafstörungen

Welche Medikamente helfen bei Depressionen und Schlafstörungen? Hier greifen Ärzte oft auf sedierende Antidepressiva (z.B. Mirtazapin, Trazodon oder Amitriptylin) zurück. Diese fördern den Schlaf und wirken gleichzeitig stimmungsaufhellend, ohne so schnell abhängig zu machen wie klassische Schlafmittel.

Warum Eigenmedikation riskant sein kann

Frei verkäufliche Mittel (Antihistaminika, Melatonin) gelten oft als harmlos, können aber den natürlichen Schlafrhythmus stören oder Wechselwirkungen haben.

Wann Sie ärztlichen Rat suchen sollten

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihre Medikamente den Schlaf rauben, setzen Sie diese niemals eigenmächtig ab. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Alternativen, Dosisanpassungen oder den Wechsel auf einen anderen Wirkstoff. Weitere Informationen finden Sie unter Behandlung von Schlafstörungen.

Häufige Fragen zu Medikamenten und Krankheiten

Welche Krankheiten verursachen Schlafstörungen?

Häufige Ursachen sind chronische Schmerzen, Schilddrüsenüberfunktion, Herzschwäche, Asthma/COPD, Schlafapnoe, Restless-Legs-Syndrom sowie Depressionen und Angststörungen.

Welche Medikamente können den Schlaf stören?

Zu den "Wachmachern" gehören antriebssteigernde Antidepressiva (SSRI), Betablocker, Kortison, Asthma-Medikamente, Schilddrüsenhormone und einige Medikamente gegen ADHS.

Welche Medikamente helfen bei Depressionen und Schlafstörungen?

Oft werden sedierende (müde machende) Antidepressiva wie Mirtazapin, Trazodon, Amitriptylin oder Doxepin verschrieben, die abends eingenommen werden.

Darf ich Schlafmittel mit anderen Medikamenten kombinieren?

Nur nach Rücksprache mit dem Arzt. Es kann zu gefährlichen Wechselwirkungen kommen, insbesondere bei der Kombination mit Schmerzmitteln (Opioiden), Alkohol oder anderen dämpfenden Mitteln.