Behandlung von Schlafstörungen:
Medikamente, pflanzliche Mittel und Lebensstil

Verschiedene Schlafmittel und Tee auf einem Tisch

Die Behandlung von Schlafstörungen richtet sich immer nach der Ursache. Während bei akuten Belastungen oft pflanzliche Mittel oder Hausmittel ausreichen, benötigen chronische Insomnien oder körperliche Ursachen eine ärztliche Therapie. Dieser Ratgeber bietet einen umfassenden Überblick über Schulmedizin, Naturheilkunde und notwendige Lebensstil-Anpassungen.

Wann ist eine Behandlung nötig?

Nicht jede schlechte Nacht erfordert Therapie. Handlungsbedarf besteht, wenn die Schlafprobleme länger als vier Wochen anhalten, die Lebensqualität tagsüber leidet oder Sie bereits "Angst vor dem Bett" entwickeln (Erwartungsangst).

Bevor Sie zu Medikamenten greifen, sollten Sie die Ursachen genau analysieren. Liegen Einschlafprobleme oder Durchschlafstörungen vor? Sind Stress und Psyche der Auslöser?

Welche Ärzte behandeln Schlafprobleme?

Viele Betroffene wissen nicht, an wen sie sich wenden sollen.

  • Hausarzt: Die erste Anlaufstelle. Er prüft Blutwerte und verschreibt ggf. leichte Schlafmittel.
  • Neurologe / Psychiater: Zuständig, wenn Nervenerkrankungen, Depressionen oder Restless Legs die Ursache sind.
  • HNO-Arzt & Pneumologe: Bei Verdacht auf Schlafapnoe (Schnarchen, Atemaussetzer).
  • Schlaflabor: Für schwere und hartnäckige Fälle, um eine genaue Schlafanalyse (Polysomnographie) durchzuführen.
  • Gynäkologe: Bei Schlafstörungen in den Wechseljahren oder der Schwangerschaft.

Medikamente bei Schlafstörungen – Chancen und Risiken

Die Schulmedizin unterscheidet zwischen verschreibungspflichtigen und frei verkäuflichen Mitteln.

Verschreibungspflichtige Schlafmittel (Hypnotika)

  • Benzodiazepine & Z-Substanzen: Wirken stark und schnell, haben aber ein hohes Abhängigkeitspotenzial. Nur für kurzzeitige Notfälle (max. 2 Wochen) geeignet.
  • Sedierende Antidepressiva: (z.B. Mirtazapin, Doxepin) Machen nicht körperlich abhängig und werden oft bei psychisch bedingten Schlafstörungen eingesetzt.

Frei verkäufliche Mittel (OTC)

  • Antihistaminika: Eigentlich Allergiemittel, die als Nebenwirkung müde machen. Gewöhnungseffekt tritt schnell ein.
  • Melatonin: Hilft, den Taktgeber neu einzustellen (z.B. bei Jetlag oder Schichtarbeit).

Pflanzliche Mittel, Schüßler‑Salze, 5‑HTP und Nahrungsergänzung

Die Naturheilkunde bietet sanfte Alternativen, die oft weniger Nebenwirkungen haben.

Pflanzliche Klassiker

  • Baldrian & Hopfen: Der Klassiker bei Unruhe. Wirkt jedoch oft erst nach 2 Wochen regelmäßiger Einnahme.
  • Passionsblume & Melisse: Helfen gut bei nervöser Anspannung und Angstzuständen.
  • CBD-Öl: Cannabidiol wirkt entspannend und angstlösend, ohne berauschend zu sein.

Nahrungsergänzung & Aminosäuren

  • 5-HTP (5-Hydroxytryptophan): Eine Vorstufe von Serotonin, die im Körper zu Melatonin umgewandelt wird. Hilft, den Schlaf-Wach-Rhythmus zu stabilisieren.
  • Magnesium: Entspannt die Muskeln und ist essenziell bei Durchschlafstörungen.

Schüßler-Salze

Als "Schlaf-Salz" gilt die Nr. 7 (Magnesium phosphoricum). Es wird oft als "Heiße 7" vor dem Zubettgehen getrunken, um Nerven und Muskeln zu beruhigen.

Hausmittel und Schlafhygiene

Oft sind es die einfachen Dinge, die Großes bewirken.

  • Die "Heiße Milch mit Honig": Wirkt psychologisch beruhigend und liefert Tryptophan.
  • Gewichtsdecken: Schwere Decken können durch sanften Druck das Nervensystem beruhigen (Deep Pressure Touch Stimulation).
  • Aromatherapie: Lavendelöl auf dem Kopfkissen senkt nachweislich Blutdruck und Herzfrequenz.

Schlafstörungen durch Schichtarbeit und Lebensstil

Schichtarbeit ist Schwerstarbeit für die innere Uhr.

Die Leber und die Organuhr

Nach der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) entgiftet die Leber zwischen 1 und 3 Uhr nachts. Wer in dieser Zeit oft aufwacht, hat möglicherweise eine überlastete Leber (durch Alkohol, spätes Essen oder Stress). Ein Leberwickel vor dem Schlafen kann helfen.

Tipps für Schichtarbeiter

  • Dunkeln Sie das Schlafzimmer tagsüber komplett ab (Verdunkelungsvorhänge).
  • Tragen Sie auf dem Heimweg von der Nachtschicht eine Sonnenbrille, um das morgendliche Blaulicht zu meiden (es macht wach).

Schlafprobleme im höheren Alter

Im Alter produziert die Zirbeldrüse weniger Melatonin, der Schlaf wird leichter und fragmentierter. Das ist bis zu einem gewissen Grad normal.

  • Mittagsschlaf begrenzen: Wer tagsüber viel schläft, hat nachts keinen Schlafdruck.
  • Licht tanken: Viel Tageslicht am Morgen hilft, die innere Uhr zu justieren.

Häufige Fragen zur Behandlung

Welcher Arzt hilft bei Schlafproblemen?

Erste Anlaufstelle ist der Hausarzt. Je nach Ursache überweist er an Neurologen, Psychiater, HNO-Ärzte oder in ein Schlaflabor.

Welche pflanzlichen Mittel helfen wirklich?

Baldrian, Hopfen, Melisse und Passionsblume sind gut untersucht. Auch CBD-Öl und Lavendel zeigen positive Effekte bei Unruhe.

Kann ich Melatonin dauerhaft einnehmen?

Melatonin gilt als sicher, sollte aber idealerweise nur phasenweise (z.B. bei Jetlag oder Schichtwechsel) eingenommen werden. Langzeitstudien sind noch begrenzt.

Was hilft bei Schlafproblemen in der Schwangerschaft?

Hier sind Medikamente meist tabu. Lagerungshilfen, Magnesium und Entspannungstechniken sind die Mittel der Wahl. Mehr dazu unter Schwangerschaft & Schlaf.